Der Gesundheitsbrief

von Dr. Dr. med. Thomas Beck

Behandlung mit „Frischzellen“ (Organo-Peptide)

Seit den Anfängen des Jahrhunderts wird immer wieder von wundersamen Behandlungen mit „Frischzellen“ bei Prominenten und Fürstenhäusern berichtet. Was hat es damit auf sich? Ist das Humbug oder sinnvolle Therapie? Und was ist mit den Zwischenfällen, von denen immer wieder berichtet wurde?

So oder ähnlich ist für viele der Kenntnisstand in Bezug auf Frischzellen. Tatsächlich liegen die Anfänge der „Frischzelltherapie“ im letzten Jahrhundert. Damals wurde nur hinter vorgehaltener Hand über ein männliches Problem gesprochen: die mit den Jahren nachlassende Potenz. Der sehr angesehender Physiologe Dr VORONHOFF in Paris kam auf die Idee, Stierhoden zu entnehmen und in den männlichen menschlichen Hoden zu transplantieren. Mit erstaunlichem Erfolg: die Potenz war bei vielen wieder da.

Allerdings wurde diese Verbesserung der Lebensqualität mit erheblichen Nebenwirkungen bezahlt, es gab heftige Entzündungen, Abstoßungsreaktionen und Unverträglichkeiten.  In der weiteren Entwicklung wurde später aus dem tierischen Gewebe ein Brei hergestellt, der dann ins Gesäß injeziert wurde – der Erfolg war auch hier gegeben, bei wesentlich milderen Nebenwirkungen, die aber immer noch regelmäßig auftragen. Dies verwundert aus heutiger Sicht nicht, nachdem ja artfremdes Gewebe transplantiert wurde.

In den zwanziger Jahren kam die Einnahme von „Thymustabletten“ in Mode. Thymus ist ein Gewebe hinter dem Brustbein, welches zur Ausbildung der Immunzellen notwendig ist. Die Aktivität der Thymusdrüsen nimmt kontinuierlich ab, ungefähr mit dem Schuleintritt ist die Drüse inaktiv geworden und wandelt sich zu Fettgewebe um. Dieses Thymusgewebe kann aus geschlachteten Kälbern gewonnen werden (der Metzger verkauft das übrigens als „Bries“) und als Brei injeziert werden. Hieraus wurden u.a. von der Firma Merck die damals sehr bekannten Thymus-Tabletten hergestellt. Der schwedische Tierarzt Dr. Sandberg verwendete Thymusmus um Kälber zu behandeln. Nachdem dies überraschend gut gelang, wurde er aufgefordert, das Gesamtextrakt aus Thymusmus (THX) auch Menschen zur Revitalisierung zu verabreichen.

Im Tierexperiment konnte man durch radioaktive Markierungen nachweisen, daß diese Organlysate tatsächlich in die entsprechenden Organe einwandern und dort zu einer Aktivierung des Zellstoffwechsels führten.

Mit der Entwicklung der Immunologie an den Universitäten in den 1970 Jahren verstand man allmählich, welche Mechanismen den immer wieder beobachteten Nebenwirkungen zu Grunde lag. Die antigenen (AG) Eigenschaften von Zellen befinden sich an der Zelloberfläche, an der Zellwand. Wenn nun fremde Zellen in den menschlichen Organismus gelangen, werden diese Zellen wegen ihrer Antigene als fremd erkannt und u.a. durch die menschlichen Antikörper (AK) bekämpft.

Einige Hersteller zogen die Konsequenz, eben diese antigene Eigenschaft durch die Entfernung der Zellwand zu eliminieren. Es wurden also Zell-lysate entwickelt, die keine Zellwände mehr hatten. Und deswegen spricht man korrekterweise nicht mehr von „Frischzellen“ oder „Frischzelltherapie“ sondern von „Zell-lysaten“ oder von „Organopeptiden“.

Die in der Vergangenheit beobachteten Nebenwirkungen sind auf falsche Anwendung zurückzuführen, insbesondere auf Präparate, in denen die antigenen Eigenschaften nicht entfernt wurden. Richtig angewendete Therapie mit Organopeptiden ist heute sehr nebenwirkungsarm und sicher.

Weitere Infos unter www.imunomed.de

4 Reaktionen zu “Behandlung mit „Frischzellen“ (Organo-Peptide)”

  1. GeraldD

    Hi, Guter Artikel, ich hoffe das wir uns auf eine Fortsetzung Freuen koennen :-)

  2. beckdoc

    Freut mich! Was würde Sie denn interessieren? Welche Art von Fortsetzung?
    mfg

    Dr Dr Thomas Beck

  3. Clever Quiroz

    Sehr geehrter Dr. Beck,
    ich habe auch Ihrer Artikel gelessen, ich bin zufällig darauf gestossen, weil ich wissen wollte, was Organopeptide sind.
    Ich habe eine Krankheit in meiner Wirbelsäule, 3 von den knorpeln die die wirbelzeule verbinden sind zusammengedrückt und einer drückt auf einen zentralen Nerv. Ich habe Physiotherapie, Reha, Akupuntur, Wärme + Massage, Schmerztherapien mit Spritzen bekommen und soweiter. Leider die Schmerzen sind ofter da und mein Lebesqualität ist negativ damit beeinflusst.
    Ich kann Sachen die mehr als 15 kg wiegen nicht mehr tragen, dabei bin ich nur 40 jahre alt und das macht mir Sorgen.
    Wass ich Ihnen fragen wollte ist, gibts es irgendwelche Therapie mit diesen genannten Organopeptiden die auf mein Problem gut sich einsetzen lassen?
    Ich bedanke mich herzliche für Ihre Ausführliche Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    Clever Q.

  4. beckdoc

    Hallo Clever Quiroz
    was für eine interessante Frage! So langsam kommen wir immer mehr an die Spitze der wissenschaftlichen Forschung: ja es ist tatsächlich so, daß man zur Zeit in großen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen an Tieren versucht, durch die Injektion Stammzellen oder auch von bereits entwickelten und zu Muß verarbeiten Zell-lysaten wieder zu regenerieren und zu repareiten. Die Ergebnisse scheinen jedenfalls vielversprechend, sonst würde man den Aufwand nicht betreiben.
    Aus meiner persönlichen Sicht, sind die entsprechenden Organopeptide seit Jahren ohne jegliche Beanstandung in laufender Verwendung und haben Ihren festen Platz in einem ganzheitlichen Behandlungskonzept für Wirbelsäulenprobleme, wie von Ihnen beschrieben.

    mfg

    Dr Beck

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